„Jeder hat’s Töten in sich, wenn’s drauf ankimmt“
Der in fünfter Generation von Wilma Steingruber geführte Steingruberhof scheint idyllisch. Es gibt dort Schafe und Hühner, das Gemüse wird ökologisch angebaut und zum Teil auf dem Markt verkauft. Auf dem fränkischen Hof lebt eine bunte Schar von Menschen, die dort Heimat oder Zuflucht gefunden haben. Nur Wilmas leibliche Tochter Eva, die dort aufgewachsen ist, hat seit 13 Jahren keinen Fuß über die Schwelle gesetzt und arbeitet inzwischen als Anwältin in München. Doch nun wird sie von ihrer Ziehschwester Blossom gerufen, denn der Hof braucht juristische Hilfe: Eine Journalistin, die die Bewohnerinnen und Bewohner am Vortag noch bedrängt hat, wurde in unmittelbarer Nachbarschaft tot aufgefunden. Eva Gruber ist gleich doppelt alarmiert: Sie kannte die Tote beruflich.
Wen sie nicht kennt, sind mehr als die Hälfte der Leute, die inzwischen auf dem Hof ihrer Mutter leben. Schnell hat sie das Gefühl, dass sie ihr etwas verschweigen – aber ist es ein Wunder, dass die Aussteiger*innen auf dem Hof ihr misstrauen, der der Hof nicht genug war? In der Gemeinschaft wächst außerdem das gegenseitige Misstrauen. Und schon die erste Seite deutet an, dass der Mord an der Journalistin nicht das letzte Verbrechen auf dem Steingruberhof bleibt.
Der Thriller ist gelungen. Er stellt den Culture Clash zwischen den Hofbewohner*innen und insbesondere Eva Steingruber überzeugend dar. Durch vier verschiedene Perspektiven werden die vielen Personen greifbar; Autorin Cleo Konrad schafft es zudem, auch Nebenfiguren so zu gestalten, dass man ihre Charakteristika schnell erfasst. Und während es erst lange um die Gemeinschaft und ihre eventuellen Geheimnisse geht, überschlagen sich gegen Ende die Ereignisse und es kommt zu einigen Twists. Hat wirklich jeder das Töten in sich, „wenn’s drauf ankimmt“, wie Wilma Steingruber behauptet?
Das Einzige, was mich hier so gar nicht überzeugt, ist das Cover. Gleichzeitig düster und in pink, lila, gelb und orange getaucht, die Buchstabend des Titels in schreienden Farben und irgendwie verwischt – für mich sieht das ganze mehr nach Horror als nach Thriller aus. Es wird dieser Geschichte über eine alternative Hofgemeinschaft überhaupt nicht gerecht. Der Thriller selbst nimmt sich Zeit, den Hof und seine Bewohner*innen vorzustellen, Atmosphäre aufzubauen und auch die unterschiedlichen Perspektiven wirken zu lassen. Das Cover wirkt auf mich dagegen lieblos und trashig. Gestaltung und Inhalt passen selten so schlecht zusammen wie bei diesem Buch.

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