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26. Juli 2020

Agatha Christie: Ein gefährlicher Gegner

Die unbekannten Abenteurer.

Agatha Christie verbindet man in erster Linie mit Hercule Poirot und Miss Marple. Überdies hat sie auch noch Krimis geschrieben, die ohne einen bestimmten Ermittler auskommen. Dass die Autorin aber noch ein Duo erschaffen hat, dass immerhin in vier Büchern und mehreren Kurzgeschichten zum Einsatz kommt, war mir bislang unbekannt. Jetzt habe ich den ersten Band mit Tuppence Cowley und Tommy Beresford gelesen.


„Ein gefährlicher Gegner“ ist das zweite Buch, das Agatha Christie überhaupt geschrieben hat. Es wurde 1922 in Großbritannien und den USA veröffentlicht; 10 Jahre später dann auch in deutscher Übersetzung. Es erinnert vage an „Die großen Vier“, den Krimi der Queen of Crime, der mir bislang am wenigsten gefallen hat: Eine temporeiche Agentengeschichte statt eines klassischen „Whodunnit“ zum Miträtseln, viel Action auf Kosten von Logik. Dennoch hat mir „Ein gefährlicher Gegner“ weitaus besser gefallen, was sicher an den Hauptfiguren liegt: Tuppence und Tommy sind Anfang 20, arbeitslos, knapp bei Kasse und auf der Suche nach lukrativen Abenteuern. Sie beschließen, ihre Dienste als Privatermittler anzubieten und stechen ganz unverhofft in ein Wespennest. Es geht um verschwundene Papiere von höchster Wichtigkeit, eine verschollene Amerikanerin und eine Verschwörung globalen Ausmaßes. Das Ganze ist für Tuppence und Tommy mindestens drei Nummern zu groß, denn sie sind nicht nur unerschrocken und hochmotiviert, sondern auch naiv und redselig. Doch das hat immerhin einen gewissen Charme.

Wie die beiden ins Abenteuer hinein und irgendwann dann auch wieder hinaus stolpern, fand ich gelungen. Im Mittelteil wurde es mir allerdings etwas zu albern. Hier werden beide Hauptfiguren abwechselnd entführt und festgehalten, wobei sie natürlich ganz nebenbei wichtigste Informationen erhalten. Und so bekam ich mal wieder den Eindruck, dass Agatha Christie der Mikrokosmos eben doch mehr liegt als der Makrokosmos – die Geschehnisse in einem Haushalt bildet sie in der Regel raffinierter und glaubwürdiger ab, als die einer globalen Verschwörung. Wobei sich das 100 Jahre später natürlich auch sehr leicht sagen lässt – heute stellt man sich globale Verschwörungen einfach ganz anders vor. Spaß hat mir Tommys und Tuppence‘ erster Fall trotz allem gemacht.

Ich habe eine ältere Ausgabe von „Ein gefährlicher Gegner“ gelesen; aktuell im Handel ist jedoch diese erhältlich:

Verlag: Atlantik
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2017; „Ein gefährlicher Gegner“ erschien jedoch bereits 1932 erstmals auf Deutsch (und 1922 auf Englisch).
ISBN: 978-3455651355
Preis: 12,- € (E-Book: 8,99 €)

31. Mai 2020

Agatha Christie: Das Eulenhaus

Bewährt gut.

Laut dem Nachwort dieser Ausgabe hatte Agatha Christie das Gefühl, diesen Krimi „verpfuscht zu haben“ – und zwar ausgerechnet durch die Anwesenheit ihres Meisterdetektivs Hercule Poirot: „Ohne ihn, dachte ich, wäre das Buch besser geworden.“
Die Queen of Crime hat ja durchaus Bestseller geschrieben, die ohne Poirot oder auch Miss Marple auskommen – allen voran „Und dann gab‘s keines mehr“. Dass Poirot hier das Lesevergnügen schmälert, möchte ich aber nicht behaupten. Mir ist positiv aufgefallen, dass der Belgier untypisch zurückhaltend in Erscheinung tritt. Da sein Sidekick Hastings nicht mit von der Partie ist und auch sonst kein befreundeter Ermittler beteiligt, steht er weniger im Mittelpunkt als sonst, was ich als Abwechslung empfand – missen wollte ich Poirot aber nicht.


„Das Eulenhaus“ wurde 1946 veröffentlicht und war bereits der 37. Krimi von Agatha Christie sowie der 24. Fall, in dem sie Poirot ermitteln ließ. Er spielt auf einem englischen Landsitz, dessen Bewohner ein paar Familienmitglieder und Freunde zu einem entspannten Wochenende eingeladen haben. Doch nicht alle Beteiligten freuen sich gleichermaßen auf das Zusammentreffen und mit der Entspannung ist es spätestens vorbei, als einer der Gäste sterbend aufgefunden wird. Der Fall scheint auf den ersten Blick klar – aber wie so oft ist nicht alles so, wie es scheint …

Was mir besonders gut gefallen hat: Agatha Christie lässt hier einige sehr spezielle Charaktere aufeinandertreffen, in deren Seelenleben sie mehr Einblicke gewährt, als es sonst ihre Art ist. Das ist amüsant und macht den Krimi noch lebendiger. Die Auflösung hat kleine Schwächen, ist aber im Großen und Ganzen schlüssig erklärt, wobei ich natürlich ohne Poirot mal wieder nicht darauf gekommen wäre. Wie in den allermeisten Fällen bietet die Queen of Crime auch hier wieder verlässliches Lese- und Rätselvergnügen.

Ich habe eine ältere Ausgabe von „Das Eulenhaus“ gelesen; aktuell im Handel ist jedoch diese erhältlich:

Verlag: Atlantik
Seitenzahl: 288
Erscheinungsdatum: 15. April 2015; „Das Eulenhaus“ erschien jedoch bereits 1947 erstmals auf Deutsch (und 1946 auf Englisch).
ISBN: 978-3455650266
Preis: 12,- € (E-Book: 8,99 €)

11. April 2020

Deon Meyer: Beute

Zwei Krimis in einem – erst sperrig, dann spannend.

Dieses Buch ist bereits der siebte Krimi um den südafrikanischen Ermittler Bennie Griessel. Er gehört zu einer auf Gewaltverbrechen spezialisierten Einheit der Kapstädter Polizei und hat ein Privatleben, das auch gut zu einem Tatort-Kommissar passen würde: Der trockene Alkoholiker ist zweifacher Vater, geschieden und neu liiert, kämpft gegen seine Dämonen und für ein friedlicheres Südafrika. Wer die früheren Bände gelesen hat, kann Kaptein Griessels Charakter sicherlich noch besser einschätzen; ich kannte bisher allerdings nur den fünften Teil der Reihe, „Icarus“. Bei der Lektüre gestört hat das nicht.


In Griessels neuestem Fall „Beute“ hat Autor Deon Meyer zwei größtenteils unabhängig voneinander verlaufende Handlungsstränge geschaffen. Griessel und sein Partner Cupido untersuchen den Tod eines Mannes, der auf der Fahrt durch Südafrika aus einem Luxuszug gestürzt ist. 8.900 km nordwestlich davon gerät ein Landsmann von ihnen, der um keinen Preis auffallen möchte, in eine Schlägerei. Doch die ist nur der Auftakt zu ganz anderen Problemen, die der in Bordeaux lebende Daniel Darret im Laufe der Geschichte noch bekommen wird.

Anfangs springt Deon Meyer noch kapitelweise zwischen Griessel und Darret hin und her. Später widmen sich dann auch mal fast hundert Seiten den Geschehnissen in Bordeaux, was mich ziemlich irritierte, weil Ermittler Griessel so gar keine Rolle mehr spielte und mein Südafrika-Krimi plötzlich ausschließlich in Frankreich angesiedelt war. Mit Safari-Romantik ist bei Deon Meyer allerdings eh nicht zu rechnen und auch sonst kommt kein Fernweh auf: Der in der Nähe von Kapstadt lebende Autor geht mit seinem Heimatland hart ins Gericht; Misswirtschaft, Korruption und Ungleichheit sind Themen, die immer wieder angesprochen werden.

„Beute“ liest sich dennoch gut. Der Krimi kommt zwar eher langsam in die Gänge, fesselt aber trotzdem. Meyer seziert Probleme, bis es weh tut. Mit den Ermittlern, denen ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt wird, habe ich irgendwann richtiggehend mitgelitten – wie auch mit Daniel Darret. Vor dem Finale habe ich mich fast gefürchtet, doch dann kam alles anders – und die Weichen für Band acht sind bereits gestellt.
Frohe Ostern!

Verlag: Rütten & Loening
Seitenzahl: 444
Erscheinungsdatum: 10. März 2020
ISBN: 978-3352009419
Preis: 20,00 € (E-Book: 14,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

5. April 2020

Agatha Christie: Murder in Mesopotamia

Unterhaltsam und solide – nur die Auflösung überzeugt nicht ganz.

Agatha Christie schrieb im Laufe ihres 86-jährigen Lebens 66 Romane. Es ist also kein Wunder, wenn einem einige ihrer Titel gänzlich unbekannt erscheinen. Bei manchen, wie z.B. „Die großen Vier“, wird bei der Lektüre schnell klar, warum sie in der Versenkung verschwunden sind. Andere reichen vielleicht nicht an „Und dann gab’s keines mehr“, „Mord im Orientexpress“ oder „16 Uhr 50 ab Paddington“ heran, sind aber trotzdem geschickt und klug entwickelte Pageturner. Zu ihnen gehört der Krimi, den ich zuletzt gelesen habe.


Agatha Christies „Murder in Mesopotamia“ spielt im Irak. Die Schriftstellerin entwickelte ab Ende der 1920er Jahre ein Faible für den Nahen Osten. 1928 reiste sie mit dem Orientexpress nach Bagdad und lernte im Irak ein britisches Archäologenpaar kennen, das sie zwei Jahre später erneut an einer Ausgrabungsstätte besuchte. Bei dieser zweiten Reise traf sie auch ihren zweiten Ehemann, den an den Ausgrabungen beteiligten Max Mallowan.

Im 1936 auf Englisch und 1939 auf Deutsch veröffentlichten „Murder in Mesopotamia“ ermittelt Hercule Poirot, allerdings ohne seinen treuen Freund Hastings. Es dauert, bis der Detektiv am Tatort ankommt, einem abgelegenen Anwesen, in dem die an einer Ausgrabungsexpedition beteiligten Forscher mit ihren Ehefrauen untergebracht sind. Erzählerin der Geschehnisse ist Amy Leatheran, eine Krankenschwester, deren Namen ich mir während der gesamten Lektüre nicht merken konnte, da sie im englischen Original von allen nur als „Nurse“ angeredet wird. Leatheran hat eine Patientin von England in den Irak begleitet und soll nun die Frau des Ausgrabungsleiters Dr. Eric Leidner unterstützen, bevor sie wieder zurückreist. Mrs. Leidner hat kein körperliches Leiden, fühlt sich jedoch bedroht, und ihr Ehemann hofft auf den beruhigenden Einfluss der Krankenschwester, die vor allem als Gesellschaftsdame fungieren soll.

Vielleicht wollte Agatha Christie zur Abwechslung mal einen anderen Stil ausprobieren, denn dadurch, dass sie diesen Krimi aus Sicht von Nurse Leatheran erzählt, bekommt er einen ganz ungewohnten Ton. Die Krankenschwester nimmt kein Blatt vor den Mund, verleiht ihren Antipathien und Vorurteilen deutlich Ausdruck und verfügt ganz und gar nicht über das, was man heute als interkulturelle Kompetenz bezeichnet. Das Maß aller Dinge ist für sie selbstverständlich auch in der Ferne ihre Heimat Großbritannien, schon Poirot als Belgier ist ihr suspekt. Eine große Sympathieträgerin ist die Britin nicht unbedingt, aber sie bringt mal eine andere Farbe in Christies Werk und man kann sich durchaus vorstellen, dass die Queen of Crime Spaß daran hatte, eine gänzlich ungewohnte Perspektive auszuprobieren.

Zum Kriminalfall will ich keine weiteren Details verraten. Aufgrund des ungewöhnlichen Settings, des noch überschaubaren Personenkreises, der neuen Erzählerin und dem wie immer brillanten Poirot hat er mir gut gefallen. Auf die Auflösung wäre ich mal wieder nicht gekommen – allerdings ist sie doch etwas mehr an den Haaren herbeigezogen, als es sonst bei Agatha Christie der Fall ist. Dennoch hat mich „Murder in Mesopotamia“ gut unterhalten und muss sich in Christies Gesamtwerk keinesfalls verstecken.

Ich habe eine ältere Ausgabe von „Murder in Mesopotamia“ gelesen; aktuell im Handel ist jedoch diese erhältlich:

Verlag: Harper Collins
Seitenzahl: 288
Erscheinungsdatum: 24. März 2016; „Murder in Mesopotamia“ erschien jedoch bereits 1936 auf Englisch (und 1939 auf Deutsch).
ISBN: 978-0008164874
Preis: 6,69 € (E-Book: 6,99 €)

11. März 2020

Carsten Sebastian Henn: Der Gin des Lebens

Faszinierender Gin, schwacher Krimi.

Zuletzt habe ich einen kulinarischen Krimi gelesen – ein beliebtes Genre, das ich bislang eher links liegen gelassen habe. Der Autor ist laut Klappentext „Kulinariker durch und durch“ und hat sich hier dem Gin verschrieben. Über diese Spirituose habe ich dann auch viel Faszinierendes erfahren. Der Krimi-Anteil dagegen – na ja. Ich bin ja durchaus ein Fan von Cosy Crimes und das hier sollte vermutlich eins sein – ist aber eher ein unfreiwilliges „absurd crime“ geworden.


Dass „Der Gin des Lebens“ ein Buch für Gin-Liebhaber ist, sieht man auf den ersten Blick: Am Cover, am Titel, an den Exkursen zum Thema Gin, die extra auf grauen Seiten gedruckt sind und dadurch sofort erblättert werden können. Ich mag Gin, hatte mir aber noch nie über seine Aromen Gedanken gemacht (und keine Ahnung, dass diese „Botanicals“ heißen). Was für eine Kunst Gin-Herstellung sein kann, war mir völlig neu. Alles rund ums Thema fand ich super erklärt und spannend zu lesen. Dieses Buch feiert den Gin: Jedem Kapitel sind ein Zitat zum Thema Alkohol und die Illustration eines „Botanicals“ vorangestellt, hinten finden sich neben einem Glossar auch noch Gin-Rezepte.
Außerdem ist „Der Gin des Lebens“ mit viel Herz für den Handlungsort Plymouth geschrieben, der sehr pittoresk geschildert wird. Die Schauplätze sind in eine Karte eingetragen, die sich sowohl in der vorderen als auch in der hinteren Coverklappe verbirgt. Für die liebevolle Gestaltung würde ich diesem Buch fünf von fünf Punkten geben.

Für die Geschichte allerdings nicht. Ich hatte die Leseprobe gelesen und war auf einen Krimi gefasst, in dem mehr gemenschelt als ermittelt wird. Und es menschelte dann auch sehr: Da hätten wir Cathy, die in Plymouth ein gemütliches Bed & Breakfast betreibt, mit viel Herz, schrulligen, aber liebenswertesten Stammgästen und einem verwunschenen Garten. Und sie ist Single – wie Bene, ein Deutscher, der auf den Spuren seines verstorbenen Vaters nach Plymouth reist. Klingt fast ein bisschen nach Rosamunde Pilcher, trotz des erstochenen Obdachlosen in Cathys Garten. Die Rollen sind außerdem klar verteilt: Es gibt die Guten und die Bösen, mehrdimensional sind nur wenige Charaktere.
Die Handlung entwickelt sich dann komplett hanebüchen. Mir erschienen viele Stränge nicht ansatzweise zu Ende gedacht, die Figuren reagierten oft sehr unlogisch auf Ereignisse und das hat mir das Buch doch ziemlich verdorben. Zum Thema Gin war also alles super, der Krimi an sich jedoch sehr enttäuschend. Aber vielleicht war es auch mein Fehler, vielleicht hätte ich mir zur Lektüre einfach einen Dry Martini mixen sollen und dann alles gnädiger beurteilt?

Verlag: DuMont Buchverlag
Seitenzahl: 336
Erscheinungsdatum: 10. März 2020
ISBN: 978-3832183974
Preis: 16,00 € (E-Book: 11,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

13. Februar 2020

Holger Karsten Schmidt: Die Toten von Marnow

Temporeich und komplex.

Hätte ich an einem Büchertisch nach diesem Krimi gegriffen? Vermutlich nicht – das Cover empfinde ich als eher blass und nichtssagend und den Verfasser kannte ich bislang auch nicht, was vermutlich darin liegt, dass er in erster Linie Drehbuchautor ist und die meisten seiner früheren Bücher unter dem Pseudonym Gil Ribeiro veröffentlicht hat. Sie spielen alle an der Algarve. In diesem Krimi wird dagegen in Rostock ermittelt – und im titelgebenden Marnow, einem fiktiven Ort an der Mecklenburgischen Seenplatte.


Holger Karsten Schmidt holt in „Die Toten von Marnow“ zum Rundumschlag aus: Es geht um vertuschte Skandale in der deutsch-deutschen Geschichte, den Kampf gegen das vermeintlich Aussichtslose, Rache und Selbstjustiz. Im Zentrum stehen zwei Ermittler, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: Der Rostocker Frank Elling, stolzer Familienvater, der seinen Lieben alle Wünsche erfüllen will und um 17 Uhr den Stift fallen lässt, um zu ebendiesen nach Hause zu eilen. Und Lona Mendt: Die westdeutsche Zugezogene, effizient, verschwiegen, wurzellos und in einem Wohnmobil lebend. Klingt nach einem Tatort-Duo? Dann wäre es eines, bei dem ich einschalten würde. Denn obwohl das Privatleben der Ermittler in diesem Thriller durchaus eine Rolle spielt, nimmt es nicht zu viel Raum ein, macht sie nur menschlich und ihre Handlungen nachvollziehbar. Schmidt gestaltet seine extrem unterschiedlichen Hauptfiguren gleichermaßen gelungen aus. Er beweist viel Talent bei der Darstellung von allem Menschlichen – das ihn nur bei Ellings Frau Susanne etwas im Stich gelassen hat, die erstaunlich eindimensional und klischeehaft daherkommt.

Aber nun zur eigentlichen Handlung, die im Jahr 2003 angesiedelt ist: Zunächst wird ein Arbeitsloser in seiner Wohnung ermordet. Dann ein alter, dementer Mann in einem luxuriösen Pflegeheim. Die beiden haben keine Verbindung zueinander, die Tat trägt allerdings die gleiche Handschrift. Und die Spuren weisen nach Marnow. Also beschließt Lona Mendt, ihr Wohnmobil auf dem dortigen Campingplatz aufzustellen. Doch dann kommt es zu einem ersten Showdown in Rostock – und es wird nicht der letzte bleiben …

In „Die Toten von Marnow“ überschlagen sich die Ereignisse immer wieder. Mehrmals dachte ich: „Ach, SO ein Krimi ist das“ – wenn wieder mal eine Actionszene kam oder ein anderes, nicht vorhersehbares Ereignis aus dem Nichts auftauchte und richtungsweisend wirkte. Allerdings war es das längst nicht immer, denn was in anderen Büchern eventuell noch sehr ausgewalzt worden wäre, wickelt Schmidt stets schnell und gekonnt wieder ab. Im Beschleunigen und Drosseln des Handlungstempos ist er ein wahrer Meister, nie gibt es Längen – dafür jedoch immer wieder Überraschungen. Vor Action schreckt der Autor bei keiner Gelegenheit zurück – wenn das Ganze ein Tatort wäre, dann vermutlich einer mit Till Schweiger. Wobei Schmidt durchaus auch mal leise Töne anschlägt und sich Zeit für langsame Entwicklungen nimmt. Und so steuert die Handlung in ganz verschiedene Richtungen, während die Spannung immer weiter steigt.

Einige der Protagonisten in „Die Toten von Marnow“ haben mehr Glück als Verstand. Gestört hat mich das allerdings kaum und ich habe diesen Krimi als sehr gelungen empfunden, weil er gleichzeitig komplex und spannend ist und darüber hinaus eine ungeheuerliche Geschichte erzählt. Der NDR verfilmt ihn als vierteilige Miniserie, die nächstes Jahr ausgestrahlt werden soll – ob die vielen Facetten und Untertöne dabei erhalten bleiben? Ich bin gespannt.

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seitenzahl: 480
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2020
ISBN: 978-3462047943
Preis: 16,00 € (E-Book: 12,99 €)

Ich habe dieses Buch als Leseexemplar erhalten.

31. Januar 2020

Agatha Christie: Dreizehn bei Tisch

Whodunit vom Feinsten.

Es war mal wieder Zeit für einen Agatha Christie-Krimi. Von diesem hatte ich noch nie zuvor gehört, obwohl er Mitte der Achtziger sogar mit Sir Peter Ustinov und Faye Dunaway verfilmt wurde.


„Dreizehn bei Tisch“ ist passenderweise der dreizehnte Kriminalroman der Queen of Crime und 1933 erschienen; die deutsche Übersetzung wurde bereits 1934 veröffentlicht. Es ermittelt mal wieder Hercule Poirot, unterstützt (und bisweilen auch behindert) durch seine Freunde Captain Hastings und Chief Inspektor Japp.
Zusammen mit Hastings lernt Poirot zu Beginn des Romans eine Filmschauspielerin kennen, die ihn um Hilfe bittet, weil ihr getrennt von ihr lebender Ehemann, Lord Edgware, nicht in die Scheidung einwilligt. Paarberatung gehört eigentlich nicht zu Poirots Fachgebieten, aber bald darauf rückt der Lord dennoch in seinen Fokus: Er wird ermordet aufgefunden. Die Zahl der Verdächtigen scheint genauso groß wie jene der stichhaltigen Alibis. Doch Poirot lässt sich nicht in seinen Ermittlungen beirren – und auch der Mörder schlägt nicht nur das eine Mal zu …

Agatha Christie zeigt sich hier in Bestform: Ein rätselhafter Fall, interessante Charaktere, unvorhersehbare Entwicklungen und eine Auflösung, die jedes noch so kleine Detail berücksichtigt – und auf die ich mal wieder nie im Leben gekommen wäre. Wie immer irritiert leicht, dass Freunde und Angehörige der Opfer deren Ableben sehr gefasst aufnehmen – mit Schock oder Trauer hält sich Christie in keinem ihrer Werke länger auf. Ob die Beschreibung solcher Emotionen in der englischen Kriminalliteratur damals generell unüblich war oder ob Christie ihnen einfach keine Beachtung schenken wollte? Die Stimmigkeit ihrer Geschichten stört es auf jeden Fall nicht. „Dreizehn bei Tisch“ ist ein äußerst raffinierter Whodunit und steht den bekannteren Werken der Autorin in nichts nach.

Ich habe eine ältere Ausgabe von „Dreizehn bei Tisch“ gelesen; aktuell im Handel ist jedoch diese erhältlich:

Verlag: Atlantik
Seitenzahl: 288
Erscheinungsdatum: 15. Juli 2015; „Dreizehn bei Tisch“ erschien jedoch bereits 1934 erstmals auf Deutsch (und 1933 auf Englisch).
ISBN: 978-3455650297
Preis: 12,- € (E-Book: 8,99 €)

19. Januar 2020

Karsten Dusse: Achtsam morden

Originelle Idee, genial ausgeführt.

Zu diesem Buch hätte ich schon aus einem einzigen Grund nie von allein gegriffen: Auf dem Cover ist Blut abgebildet, und ich mag weder Splatter-Krimis noch -Thriller. Zum Glück habe ich diesem „entschleunigten Kriminalroman“ aufgrund einer persönlichen Empfehlung doch eine Chance gegeben und schon die Rückseite machte mich neugierig: Man hält nicht alle Tage ein Buch in den Händen, das von Jan Böhmermann und Martina Hill empfohlen wird.


Karsten Dusses Debüt „Achtsam Morden“ bringt Achtsamkeitstraining mit Auftragsmord zwischen zwei Buchdeckel, was nicht nur gut funktioniert, sondern genial. Wobei der Autor, der außerdem Anwalt ist und für verschiedene Fernsehformate schreibt, seine Leser nicht zu mehr Achtsamkeit erziehen will – glaube ich zumindest. Seiner durch und durch gestressten Hauptfigur Björn Diemel verhilft die Achtsamkeit allerdings zu völlig neuer Lebensqualität. Der Enddreißiger steht vor den Scherben seines Lebens: Seine Ehe geht den Bach runter, seine zweijährige Tochter sieht er vor lauter Arbeit kaum, sein Beruf als Strafanwalt einer großen Kanzlei stresst ihn – was nicht zuletzt daran liegt, dass sein einziger Klient ein launischer Mafioso ist – und auf einen beruflichen Aufstieg zum Partner kann er auch nicht mehr hoffen, da er durch die Arbeit für ebendiesen Klienten zu einem „Bäh-Anwalt“ geworden ist. Kurz: Diemel sieht keine Möglichkeit, das Tempo seines selbstgezimmerten Hamsterrads auch nur zu verlangsamen – geschweige denn, auszusteigen. Auf der Suche nach Hilfe klingelt er bei Achtsamkeitscoach Joscha Breitner. Und der sensibilisiert Diemel fortan für die eigenen Grundbedürfnisse und zeigt ihm Möglichkeiten, achtsamer mit sich und seinen Mitmenschen umzugehen. Das klappt zunächst auch, allerdings stellt sich bald heraus, dass Diemels Umfeld von Leuten wimmelt, die weder sein digitales Fasten gutheißen noch ihn auf seiner Zeitinsel in Ruhe lassen wollen. Und wenn man sich dann auch noch den Namen von Diemels Tochter Emily partout nicht merken kann, kann dessen um neue Gelassenheit bemühter Geduldsfaden schon einmal reißen. Womit wir wieder beim Buchtitel wären …

„Achtsam morden“ ist auf eine extrem gute Weise skurril, originell und überraschend. Und zugegebenermaßen auch etwas blutig, was mich in dem Kontext aber kein bisschen gestört hat (sagen wir so: Bei der Verfilmung würde ich sicher nicht unbedingt die komplette Zeit hinsehen, aber lesend ging’s). Die ungewöhnliche Handlung ergibt sich komplett logisch, Björn Diemels Seelenleben wie auch das der anderen Figuren wirkt durchaus nachvollziehbar und dann hat das Ganze auch noch einen ganz eigenen, hintergründigen Humor. Jedem Kapitel ist eine Achtsamkeitslehre vorangestellt, auf die sich Diemel im jeweiligen Abschnitt besinnt. Und obwohl man annehmen könnte, dass sich Achtsamkeit und Kriminalroman nur mit der Brechstange zusammenbringen lassen, schafft Dusse das derart spielend und organisch, dass man sofort süchtig nach diesem neuen Genre wird. Im Mai 2020 erscheint die Fortsetzung „Das Kind in mir will achtsam morden“ – den Ratgeber, der hier beim Titel Pate gestanden hat, kennt man von den Bestsellerlisten. Und ich kann die Veröffentlichung kaum erwarten. Das Kind in mir will weiterlesen!

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2019
ISBN: 978-3453439689
Preis: 9,99 € (E-Book: 9,99 €)

20. November 2019

Håkan Nesser: Der Verein der Linkshänder

Leider überladen

Vor ein paar Jahren habe ich fast alle Krimis verschlungen, in denen Håkan Nesser seinen Inspektor Barbarotti ermitteln ließ. Dass ich 2011 „Die Einsamen“ las, war eher Zufall, aber danach war es um mich geschehen und ich besorgte mir ein Buch nach dem anderen. Später verlor ich den Autor aus den Augen und freute mich vor ein paar Wochen um so mehr, als ich die Möglichkeit bekam, sein neuestes Buch „Der Verein der Linkshänder“ zu rezensieren, in dem Inspektor Barbarotti sogar in Erscheinung tritt – neben Van Veteeren, Hauptkommissar im Ruhestand, um den Håkan Nesser seine erste, zehn- (jetzt elf-)bändige Krimireihe geschrieben hat.
Ich hatte also hohe Erwartungen, als ich mit „Der Verein der Linkshänder“ loslegte. Doch zunächst fesselte mich der Krimi kaum.


Die Romangegenwart beginnt im Oktober 2012, nicht lange vor dem 75. Geburtstag des ehemaligen Hauptkommissars Van Veteeren, dem dieser ziemlich unbegeistert entgegensieht. Davon lenkt ihn jedoch bald die ihn noch weniger begeisternde Erkenntnis ab, dass ein Vierfach-Mord, den er 1991 aufgeklärt hat, gar nicht aufgeklärt ist. Die Leiche des mutmaßlichen Täters wird gefunden und er scheint am gleichen Tag ermordet worden zu sein wie die, die man für seine Opfer hielt. Plötzlich gibt es also einen 21 Jahre zurückliegenden, unaufgeklärten Fünffach-Mord. Die Opfer gehörten als Kinder und Teenager dem selbstgegründeten „Verein der Linkshänder“ an, hatten sich aber gute zwei Jahrzehnte lang nicht gesehen, bevor sie sich 1991 wiedertrafen – und wenige Stunden später gemeinsam ums Leben kamen.

Dass diese nun ans Licht kommende Verfehlung an Van Veteerens Ehre kratzte, konnte ich verstehen. Dass ein Dreivierteljahrhundert ein Geburtstag ist, den man nicht so einfach wegsteckt, auch. Dennoch ging mir beides bald auf die Nerven, denn Van Veteerens Befindlichkeiten wurden für meinen Geschmack deutlich zu viele Seiten eingeräumt. Aufgelockert werden diese Kapitel durch andere, die 1991 spielen und nach und nach das Wiedersehen der Linkshänder beschreiben. Und schließlich taucht auch noch Inspektor Barbarotti auf – wegen eines anderen Falls und schließlich dem Verdacht, dass alles miteinander zusammenhängen könnte.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Und liest sich – nachdem Van Veteerens Geburtstag dann irgendwann vorbei ist und der Krimi doch langsam Fahrt aufnimmt – trotzdem recht gut, denn Håkan Nesser kann prima schreiben, Persönlichkeitsentwicklungen glaubhaft darstellen und spannende Geschichten entwerfen. Diese hier hat mal locker drei ausufernde Nebenhandlungen, die an und für sich alle interessant sind. Dennoch: Für meinen Geschmack will der Autor hier zu viel. Ein neuer Fall, ein alter Fall, ein noch älterer Fall, aktive Polizisten, Polizisten im Ruhestand, die Ehefrau eines Polizisten im Ruhestand, Trauer, Angst, Rache, Schuld … und trotzdem hatte ich noch vor Seite 200 eine Ahnung, wer der wahre Mörder sein könnte. Diese bestätigte sich dann auch gute 400 Seiten später.

Und dann war der Fall zwar aufgeklärt, ließ mich aber mit einigen großen Fragezeichen zurück, weil manche Geschehnisse einfach nicht logisch sind. Ich kann hier kaum Beispiele nennen, ohne zu spoilern, aber ich hatte den Eindruck, dass Handlungsstränge einfach abbrachen, sobald der Erklärungsbedarf zu offensichtlich wurde. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen – weniger Schauplätze, Ermittler, Geburtstagsblues und nicht so viele Seiten. Ich denke, das hätte der Geschichte gutgetan.

Verlag: btb
Seitenzahl: 608
Erscheinungsdatum: 23. September 2019
ISBN: 978-3442758159
Preis: 24,00 € (E-Book: 16,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

6. November 2019

Shari Lapena: Der zehnte Gast

Kurzweiliger Krimi im Christie-Stil

Das war bereits mein zweiter Thriller (bzw. eher Krimi) von Shari Lapena. „The couple next door“ hatte ich in gemischter Erinnerung: Durchaus spannend, aber mit Längen und auch Schwächen, vor allem in der Auflösung. Etwas vorsichtig ging ich daher an das neueste Buch der Autorin heran und war gespannt, ob mich das Ende dieses Mal nicht nur verblüffen, sondern auch überzeugen könnte. Umgehauen hat es mich nicht, war aber solide.


Shari Lapenas Setting in „Der zehnte Gast“ erinnert an ein Cosy Crime von Agatha Christie: Ein eingeschneites Luxushotel in der kanadischen Einöde, weder alle erwarteten Gäste noch das komplette Personal haben es rechtzeitig vor dem Eissturm ins Mitchell’s Inn geschafft. So sind nur sechs Zimmer belegt: Zwei junge Paare, ein älteres, eine Autorin und ein Staatsanwalt freuen sich mehr oder weniger auf ein weißes Wochenende. Der Inhaber und sein Sohn sind zuversichtlich, ihren Gästen auch unterbesetzt einen wunderschönen Aufenthalt bieten zu können. Doch bereits in der ersten Nacht fällt eissturmbedingt der Strom aus – und morgens wird eine Leiche gefunden …

„Der zehnte Gast“ enthält vieles, was einen guten Krimi ausmacht. Die überschaubare Anzahl an sehr unterschiedlichen Figuren hat mir gefallen, teilweise hätte ich mir die Charaktere allerdings etwas mehrdimensionaler gewünscht. Der ein oder andere Protagonist war mir zu schwarzweiß gezeichnet und so richtig sympathisch wird eigentlich auch keine der Figuren. Ordentlich Spannung kommt aber trotzdem auf, vor allem, da Lapena ihre Leser immer wieder in verschiedene Perspektiven schlüpfen lässt. Dadurch wird schnell klar: Mehr als einer der Anwesenden hat etwas zu verbergen. Aber macht das auch einen von ihnen zum Mörder?

Das Miträtseln hat mir Spaß gemacht und ich tappte lange – sehr lange – im Dunkeln und habe die Auflösung nicht kommen sehen. Das vielleicht etwas viel Zufall im Spiel war – geschenkt. Insgesamt ist „Der zehnte Gast“ solide Krimiunterhaltung an einem kalten Winterabend und lässt einen kaum mehr los, wenn man sich erstmal eingelesen hat. Mit Agatha Christie kann Lapena vom Raffinessegrad her nicht mithalten, aber es kann eben auch nur eine Queen of Crime geben (und, wie schon mal festgestellt: Auch die war nicht unfehlbar).

Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 320
Erscheinungsdatum: 31. Oktober 2019
ISBN: 978-3431041279
Preis: 12,90 € (E-Book: 4,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar gelesen.

3. Oktober 2019

Agatha Christie: The Murder on the Links

Solider Fall mit irritierender Nebenhandlung

Hätte Agatha Christie Liebesromane geschrieben, würde sich heute kein Mensch mehr an ihr Werk erinnern – spätestens nach der Lektüre dieses Krimis bin ich davon überzeugt. Sicher hat man 1923, als dieses Buch auf Englisch erschien, anders über Zwischenmenschliches berichtet als heute. Dennoch: Die von Christie geschilderten Verbrechen scheinen fast zeitlos, wirken auch heute weder durchschaubar noch antiquiert. Beschreibt die Autorin dagegen Flirts und Liebesschwüre, wird zumindest mir ganz anders vor lauter Fremdscham.


Agatha Christies „The Murder on the Links“ ist eigentlich ein vielversprechender Fall: Poirot und seinen getreuen Gefährten Hastings ereilt der schriftliche Hilferuf eines in Frankreich lebenden Millionärs, der um sein Leben zu bangen scheint, jedoch in seinem Brief nicht ins Detail geht. Und obwohl sich der belgische Detektiv und sein Kompagnon direkt auf den Weg machen, treffen sie Herrn Renauld nicht mehr lebend an. Er wurde nachts auf dem Golfplatz erstochen. Seine Frau ist am Ende, sein Sohn verschweigt etwas, ein französischer Detektiv versucht, Poirot die Schau zu stehlen. Außerdem mischen gleich mehrere junge Frauen mit. Und so ist in „The Murder on the Links“ ganz schön was los. Der Fall ist ziemlich verzwickt, und zugegebenermaßen auch etwas überkonstruiert. Aber das hat mich kaum gestört. Und richtig gut gefallen hat mir, dass Poirot, anders als in Christies späteren Werken, nicht nur kryptische Andeutungen zu seinen Ermittlungen von sich gibt, sondern seine Gedanken mehrmals zumindest in Ansätzen teilt. Als ich dann nach 60% des E-Books einen plausiblen Verdacht hatte, was geschehen sein könnte, war ich fast stolz – das passiert mir bei Christie-Krimis eher selten.
Als nach 69% des Buches allerdings Poirot-Freund Hastings eine ähnliche Idee kam, desillusionierte mich das ziemlich. Denn wenn selbst er etwas merkt, muss die Sache einen Haken haben. Im Wikipedia-Eintrag zu „Mord auf dem Golfplatz“ steht, dass Christie selbst zugegeben hat, diese von ihr geschaffene Figur nicht zu mögen – kein Wunder. Es ist in der Kriminalliteratur kein Einzelfall, dass ein ermittelndes Genie einen loyalen Freund hat, neben dem es umso mehr glänzt, ohne die Bodenhaftung ganz zu verlieren. Aber Arthur Hastings stellt sich in „The Murder on the Links“ stellenweise so treudoof-dumm an, dass die Lektüre schon fast wehtut.
Apropos Wehtun: Und dann gibt es hier auch noch eine Liebesgeschichte, die zumindest aus heutiger Sicht so gar nicht überzeugt. Die „Queen of Crime“ wäre sicher niemals eine „Queen of Love“ geworden. „The Murder on the Links“ war allerdings auch erst ihr dritter Krimi, sie stand noch am Beginn ihrer Karriere. Es war übrigens auch ihr erstes auf Deutsch erscheinendes Buch (1927). Vielleicht muss man es als Frühwerk betrachten.
Habe ich „The Murder on the Links“ nun gerne gelesen? Trotz allem ja. Würde ich das Buch empfehlen? Wohl nur Christie-Fans.

Verlag: Harper Collins
Seitenzahl: 319
Erscheinungsdatum dieser Ausgabe: 21. Mai 2015 (Erstausgabe: 1923)
ISBN: 978-0008129460
Preis: 7,99 € (E-Book: 1,07 €)

6. August 2019

Agatha Christie: Das Böse unter der Sonne

Greife ich zu einem Krimi von Agatha Christie, weiß ich in der Regel, was mich erwartet, obwohl der Ausgang des jeweiligen Falls für mich stets unvorhersehbar ist. Neulich hatte ich allerdings einmal einen komplett untypischen Poirot erwischt, der mir nicht besonders gefallen hatte. Und so war ich bei der Lektüre des 22. Falls, den Christie um ihren belgischen Meisterdetektiv geschrieben hat (und ihres 29. Kriminalromans überhaupt) dann sehr beruhigt, dass alles wieder in gewohnter Manier zuging.


„Das Böse unter Sonne“ spielt in einem exklusiven Hotel auf einer kleinen britischen Insel, die über einen während der Flut stets überschwemmten Damm mit dem Festland verbunden ist. Hercule Poirot verbringt hier seinen Urlaub, wie noch einige andere: Paare, Familien, Alleinreisende. Die Idylle zerbricht, als ein weiblicher Gast ermordet in einer Badebucht aufgefunden wird. Die frühere Schauspielerin Arlena Stuart Marshall, die mit Ehemann und Stieftochter angereist war, wurde erwürgt. Wie immer dauert es nur ein paar Seiten, bis Poirot die örtliche Polizei, bei der er zufällig jemanden kennt, bei ihren Ermittlungen unterstützt. Wie immer stellt er unorthodoxe Fragen und wird vom ein oder anderen dafür belächelt. Wie immer lässt er niemanden an seinen Gedankengängen teilhaben, klärt den Fall jedoch lückenlos auf, sobald er alle zum großen Finale versammelt hat. Und wie immer macht in Poirots Ausführungen jedes noch so kleine Detail Sinn. Einer Miturlauberin setzt der Detektiv sogar auseinander, dass seine Arbeit durchaus mit dem Lösen eines besonders schwierigen Puzzles vergleichbar ist.

Alle mysteriösen Vorfälle in „Das Böse unter der Sonne“ lassen sich am Ende erklären. Mich hat das bei der Auflösung so beeindruckt, dass mir erst später auffiel, dass Christie ein anderes wichtiges Krimielement diesmal etwas vernachlässigt hat: das Motiv. Der Grund, aus dem Arena Stuart Marshall sterben musste, macht bei näherer Betrachtung nicht besonders viel Sinn. Kurz: Der Mord wäre eigentlich nicht nötig gewesen. Das mag für viele Morde gelten, aber hier kommentiert es niemand, nicht mal Poirot – wodurch dann doch der Eindruck entsteht, dass das Motiv hier mehr schlecht als recht zusammengezimmert wurde, während die Durchführung des Mordplans dagegen richtiggehend kunstvoll ist. Lässt man auch sie nochmal Revue passieren, muss man allerdings feststellen, dass das Ganze leicht hätte schief gehen können. Der Mörder / die Mörderin hat hohe Risiken auf sich genommen, was angesichts des kaum vorhandenen Motivs doppelt erstaunlich ist. Doch vielleicht muss auch gar nicht alles im Detail erklärt werden, braucht der Täter / die Täterin hier gar keinen guten Grund – „das Böse unter der Sonne“ existiert eben einfach.

Obwohl sich das Ende also nicht allzu schwer zerpflücken ließe, hat mir dieser Krimi insgesamt gut gefallen. Es ist ein typischer Poirot-Fall, der zum Miträtseln einlädt, es dem Leser nicht allzu schwer macht, einen Überblick über Figuren und Geschehnisse zu behalten und dann am Ende doch wieder verlässlich verblüfft. „Das Böse unter der Sonne“ ist ein Krimiklassiker, der sich auch 78 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch sehr gut lesen lässt.

Ich habe eine ältere Ausgabe von "Das Böse unter der Sonne" gelesen; aktuell im Handel ist jedoch diese erhältlich:

Verlag: Atlantik
Seitenzahl: 224
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2015; „Das Böse unter der Sonne“ erschien jedoch bereits 1945 erstmals auf Deutsch (und 1941 auf Englisch)
ISBN: 978-3455650273
Preis: 12,- € (E-Book: 8,99 €)

21. Juli 2019

E. O. Chirovici: Das Buch der Spiegel

Titel und Cover dieses Buches haben bei mir zunächst den Eindruck erweckt, es könnte sich um einen Fantasyroman handeln – ein Genre, das ich eher selten lese. Zum Glück habe ich mich davon nicht abschrecken lassen, denn sonst wäre mir ein beeindruckender Roman entgangen: Klug komponiert, voller überraschender Wendungen und ziemlich nachdenklich machend. Er schließt mit den Worten: „Ein großer französischer Schriftsteller hat einmal bemerkt, Erinnerung an Vergangenes sei nicht unbedingt Erinnerung an wirklich Geschehenes. Ich vermute, er hat recht.“ Diese Schlusssätze greifen das Kernthema des Romans auf: Kann man Erinnerungen wirklich trauen?


E. O Chirovici ist in Rumänien aufgewachsen und hat sich dort als erfolgreicher Autor etabliert, bevor er 2013 in die USA zog und mit „Das Buch der Spiegel“ seinen ersten Roman auf Englisch schrieb. Dieser wurde inzwischen in über 30 Länder verkauft, was mich kein bisschen wundert, denn er hat mir extrem gut gefallen.

„Das Buch der Spiegel“ hat einen klassischen „Buch im Buch“-Anfang: Der Literaturagent Peter Katz erhält ein unverlangt eingesandtes Manuskript und legt es zunächst einmal zur Seite, doch als er nach ein paar Wochen die Zeit dafür findet, liest er es und ist von der Lektüre sehr angetan. Dass diese irgendwann abrupt abbricht, ist nicht weiter verwunderlich, hat sich der angehende Autor doch an die Regeln der Literaturagentur gehalten und nur eine Leseprobe eingesandt. Katz versucht ihn zu kontaktieren, doch an den Rest des Manuskripts zu kommen, ist schwieriger als gedacht – es scheint verschollen. Und das ist nicht nur für den Literaturagenten äußerst ärgerlich, sondern auch für den „Das Buch der Spiegel“ in den Händen haltenden Leser, hat dieser doch zusammen mit Katz die ersten sechs Kapitel verschlungen und wüsste nun zu gern, wie es weitergeht.

Und wovon handelt nun das Buch im Buch? Der Autor Peter Flynn beschreibt darin, wie es ihm in seinem letzten Jahr in Princeton ergangen ist: „Für mich war es das Jahr, in dem ich mich verliebte und erkennen musste, dass es den Teufel wirklich gibt“. In wen sich Flynn verliebt hat, ist schnell klar: Psychologiestudentin Laura ist seine neue Mitbewohnerin und unterstützt einen renommierten Professor bei dessen Forschungen. Sie vermittelt Flynn den Job, dessen Bibliothek neu zu ordnen. So weit, so normal, doch am Ende dieses Jahres wird besagter Professor ermordet aufgefunden. Es macht den Anschein, als hätte Flynn Jahrzehnte später verstanden, was damals wirklich passiert ist und darüber ein Buch geschrieben – doch wo ist dieses Buch?

„Das Buch der Spiegel“ beginnt gleich doppelt spannend: Zum einen hat auch mich als Leser schnell interessiert, wer besagten Professor nun umgebracht hat, zum anderen rätselte ich mit Katz, wo denn das Manuskript mit der Auflösung des Falls geblieben war. Wie E. O. Chirovici es schafft, seine doppelgleisige Geschichte mit insgesamt vier verschiedenen Ich-Erzählern auf nur 380 Seiten zu erzählen, hat mich wirklich begeistert. Dabei hatte ich schon früh einen Verdacht, was den Mörder anging. Aber eigentlich ist der Mordfall trotz allem fast nebensächlich, denn viel mehr geht hier um die Macht der Erinnerung. Und obwohl „Das Buch der Spiegel“ eine ziemlich komplexe Komposition ist, lässt es sich wie ein spannender Krimi kaum mehr aus der Hand legen. Absolute Empfehlung!

Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2018
ISBN: 978-3442487554
Preis: 20,00 € (Taschenbuch: 10,00 €, E-Book: 9,99 €)

29. Mai 2019

Agatha Christie: Die großen Vier

Agatha Christie ist die Queen of Crime; ihre Weltauflage wird auf zwei Milliarden Bücher geschätzt. Doch dass sie sich bis heute großer Beliebtheit erfreut, bedeutet nicht, dass jeder ihrer Krimis gleichermaßen gelungen ist.


„The Big Four“ (1927 auf Englisch veröffentlicht und erst sehr viel später, 1963, als „Die großen Vier“ auf Deutsch) wurde von ihr selbst als „rotten book“ bezeichnet; sie veröffentlichte das „scheußliche“ Werk, als sie nach ihrer Scheidung in finanziellen Schwierigkeiten steckte. „Die großen Vier“ basiert auf 12 Kurzgeschichten, die Christie bereits veröffentlicht hatte und nur noch in Romanform bringen mussten. Vor diesem Hintergrund erklären sich die größten Schwächen dieses Buches: Auf viele kleinere Fälle wird kaum eingegangen, Hercule Poirot löst sie im Handumdrehen mit übermenschlichem Scharfsinn, während sein treuer Freund Hastings extrem schwer von Begriff scheint. Gemeinsam versuchen die beiden, einer Verbrecherbande das Handwerk zu legen, die nichts Geringeres zu planen scheint, als die Weltherrschaft an sich zu reißen – was sie konkret bezweckt, bleibt allerdings mehr als schwammig. Die vier Köpfe der Untergrundorganisation sind dermaßen genial, gut vernetzt und fähig, dass sie nach Belieben in fremde Rollen schlüpfen, Geldsummen erschleichen und Gegner aus dem Weg räumen, ohne dass ihnen jemand auf die Schliche kommt. Nur Poirot können sie aus unerfindlichen Gründen nicht einfach ermorden, sondern ersinnen jede Menge komplizierter Fallen, denen der kluge Belgier jedoch immer in letzter Sekunde ausweicht (was umso erstaunlicher ist, da offentlich jeder nach Belieben in sein Haus einbrechen kann). Das alles wirkt ziemlich abstrus, um es mal vorsichtig auszudrücken. Als Agatha Christie-Fan begleite ich Poirot und Hastings generell sehr gerne, aber dass die Autorin ihren alternden Detektiv plötzlich zu einer Mischung aus Superbrain und Geheimagent weiterentwickelt, hat mich doch ziemlich befremdet. Das Gleiche gilt für die Beschreibungen von „gelbgesichtigen“ Chinesen und „verschlagenen“ Orientalen – da zeigt sich eben doch, dass der Text bald 100 Jahre alt ist.
Einer der vier Schurken schlägt Poirot bereits zu Beginn des Buches vor, er solle wieder seine „frühere Beschäftigung aufnehmen und die Probleme von Damen der Londoner Gesellschaft lösen“. Ganz ehrlich – wäre Poirot mal darauf eingegangen. Lieber einen Fall richtig und nachvollziehbar aufklären, als die Lösungen für viele kleine wie ein Magier aus dem Ärmel schütteln. Aber gut, Poirots Schöpferin war in einer schwierigen Lage und brauchte das Geld. Auch eine Königin greift mal daneben.

Ich habe eine ältere Ausgabe von "Die großen Vier" gelesen; aktuell im Handel ist jedoch diese erhältlich:

Verlag: Atlantik
Seitenzahl: 224
Erscheinungsdatum der aktuellen Ausgabe: 4. September 2015; "Die großen Vier" erschien jedoch bereits 1963 erstmals auf Deutsch (und schon 1927 auf Englisch).
ISBN: 978-3455650532
Preis: 10,00 € (E-Book: 8,99 €)

16. April 2019

Katrine Engberg: Blutmond

Das erste Buch der Dänin Katrine Engberg wurde letztes Jahr auf Deutsch veröffentlicht. Ich habe „Krokodilwächter“ nicht gelesen, obwohl der Thriller vielversprechend klang. Umso gespannter war ich nun, als ich das zweite Buch der Autorin in die Hände bekam, in dem nicht nur das gleiche Polizeiteam ermittelt, sondern auch andere Figuren aus Engbergs Debüt vorkommen. Wenn man eine Serie mit Band zwei beginnt, gestaltet sich der Einstieg in die Geschichte ja manchmal als schwierig – hier gelingt er aber problemlos, was mir schon mal gefallen hat.


Ein „Blutmond“ kündigt sich in dem gleichnamigen Thriller an, der in der Nacht zu einem 28. Januar beginnt, sechs Tage vor dem Naturschauspiel. Die Hauptfiguren scheint das herzlich wenig zu interessieren: Polizeiassistent Jeppe Kørner ist gerade tiefenentspannt und mit neuer Freundin von einer Australienreise zurückgekehrt und seine Kollegin Anette Werner mit gesundheitlichen Problemen beschäftigt. Außerdem steht ganz Kopenhagen im Zeichen der alljährlichen Fashion Week. Doch schon eine Pre-Party endet tödlich: Modekönig Alpha Bartholdy wird leblos in einem Park aufgefunden. Schnell stellt sich raus: Der TV-Promi hatte nicht nur Fans, sondern auch Feinde. Im Zuge der Polizeiermittlungen erhält der Leser einige Einblicke in deren Leben, aus ihren eigenen Perspektiven. Außerdem lernt er ein paar Protagonisten kennen, die er noch gar nicht einordnen kann. Wie alles zusammenhängt, scheint rätselhaft. Polizeiassistent Jeppe Kørner muss sich allerdings bald eingestehen, dass ein Name relativ oft genannt wird – und zwar der Name eines seiner langjährigsten Freunde, der überdies nicht auffindbar ist …

Katrine Engberg führt ihre Ermittler genau wie ihre Leser mehrmals in die Irre. Das gelingt ihr außerordentlich gut, ohne dass der Plot allzu verwirrend wird. Das einzige, was mich leicht gestört hat, war die Starrköpfigkeit der Hauptfigur: Jeppe weiß, dass er befangen ist, lässt sich davon jedoch nicht stören und begehrt auch noch trotzig auf, wenn die Kollegen ihn aus guten Gründen außen vor lassen – das hat manchmal genervt, genau wie die mangelnde Kooperationsbereitschaft von gewissen Verdächtigen. Das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz, steht aber auch nicht im Mittelpunkt. Obendrauf gibt’s ganz viel Kopenhagen-Atmosphäre, gepaart mit klirrender Januarkälte, deren Beschreibung einen schon beim Lesen frösteln lässt. „Blutmond“ ist facettenreich, raffiniert und toll geschrieben – einzelne Sätze und Passagen wirken richtiggehend poetisch, die Mordmethode dagegen wird so nüchtern-präzise geschildert, dass man sich dem Grauen kaum entziehen kann. Dazu gibt‘s den ein oder anderen netten Cliffhanger und in der zweiten Hälfte entwickelt sich die Geschichte irgendwann zum Pageturner. Trotzdem würde ich sie nicht dem Thriller-, sondern dem Krimigenre zuordnen. Für alle Fans des Ermittlerteams gibt’s noch die gute Nachricht, dass in Dänemark bereits der dritte Teil der Serie erschienen ist. Ich werde nicht zum letzten Mal von Jeppe Kørner gelesen haben.

Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 480
Erscheinungsdatum: 20. März 2019
ISBN: 978-3257070583
Preis: 24,00 € (E-Book: 20,99 €, nur ePUB)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

14. Dezember 2018

Agatha Christie: Hercule Poirot's Christmas

Bücher mit Weihnachtsbezug sind die perfekte Lektüre für die Adventszeit. Wenn „Christmas“ schon im Titel vorkommt, kann nichts mehr schiefgehen, sollte man meinen … steht allerdings außerdem noch der Autorenname „Agatha Christie“ auf dem Cover, lässt das bereits erahnen, dass es nicht zwangsläufig besinnlich wird. Die Autorin selbst kündigt in ihrer Widmung quasi an, es krachen zu lassen. Sie hat sie an ihren Schwager gerichtet, der offensichtlich ein großer Fan ihrer Werke war, sie aber gleichzeitig zunehmend blutleer fand – im wahrsten Sinne des Wortes, denn Christie schrieb ihm: „You yearned for a good, violent murder with lots of blood.“ Den wollte sie ihm mit diesem Krimi bescheren und stellte ihrem Text auch noch ein Zitat aus „Macbeth“ voran, das nichts Gutes verheißt. Na dann: frohe Weihnachten!


Ich war also vorgewarnt, dass „Hercule Poirot‘s Christmas“ mir eher Gänsehaut als Wärme ums Herz einbringen würde – aber da ich Agatha Christies Krimis sehr gerne lese, war das kein Hinderungsgrund. Und so vertiefte ich mich in die Weihnachtsvorbereitungen auf dem britischen Anwesen Gorston Hall, wo eine Familienzusammenkunft ansteht: Der greise Patriarch Simon Lee versammelt zum Fest der Liebe seine vier Söhne mit ihren Ehefrauen (sofern vorhanden) um sich, außerdem hat er sein einziges Enkelkind eingeladen. Als Überraschungsgast findet sich noch der Sohn eines früheren Geschäftspartners ein. Die Stimmung ist nicht ganz so gut, doch darauf legt es der alte Mann auch nicht an, im Gegenteil: Er hat einen ziemlich seltsamen Humor und zieht sein eigenes, kleines Vergnügen daraus, seine Familienangehörigen zu demütigen – wissend, dass die sich das zähneknirschend gefallen lassen werden, um ihr Erbe nicht zu gefährden. Und so hat eigentlich fast jeder von Simon Lees Nachkommen ein Motiv, als der Fiesling noch vor Beginn der eigentlichen Feierlichkeiten ermordet aufgefunden wird – aber „Whodunit“? Wer war’s?

Agatha Christie hat das Rad nicht neu erfunden. Letztes Jahr im Dezember las ich den Krimi einer Zeitgenossin, „Geheimnis in Rot“ von Mavis Doriel Hay, der zwei Jahre vor dem 1938 erschienenen „Hercule Porot’s Christmas“ publiziert worden war und genau die gleiche Ausgangssituation hat: Das ungenießbare Familienoberhaupt ist ermordet worden, fast jeder hätte gute Gründe. Aber gerade Weihnachten ist ja auch ein Fest der Traditionen, und so stört es gar nicht, dass einem die Grundidee dieses Weihnachtskrimis nicht unbedingt originell vorkommt. Agatha Christie wäre nicht die Queen of Crime, wenn sie ihrem Werk nicht wieder eine ganz besondere, ziemlich unvorhersehbare eigene Note verliehen hätte – ein 08/15-Krimi ist es keinesfalls. Ich habe sehr gerne (und wie so oft erfolglos) mitgerätselt, wer Simon Lee umgebracht hat. In weihnachtliche Stimmung hat mich das nicht unbedingt versetzt, die Lektüre hat aber wie immer großen Spaß gemacht. Und auch wenn die Mengen geflossenen Blutes für einen Christie-Krimi tatsächlich überdurchschnittlich sind, gehört er dennoch verlässlich in die Kategorie „Cosy Crime“. Klare Dezember-Empfehlung!

Verlag: Harper
Seitenzahl: 282
Erscheinungsdatum dieser Ausgabe: 26. September 2013 (Erstausgabe: 1938)
ISBN: 978-0007527540
Preis: 7,49 € (E-Book: 6,99 €)

28. September 2018

Agatha Christie: And then there were none

Diesen absoluten Klassiker habe ich vor ca. 18 Jahren schon einmal gelesen – damals allerdings auf Deutsch und noch unter dem Titel „Zehn kleine Negerlein“. Als „Ten little Niggers“ wurde der Roman im Jahr 1939 in England erstveröffentlicht, doch schon als er 1940 in den USA erschien, wählte man als Titel „And then there were none“ – laut Wikipedia „mit Rücksicht auf die afroamerikanische Bevölkerung“, was mich positiv überrascht hat: Ich hätte gar nicht gedacht, dass damals schon sprachliche Rücksicht genommen wurde. Ab 1985 wurde der amerikanische Titel auch in Großbritannien verwendet.
Die Titelhistorie im deutschsprachigen Raum liest sich fast diametral: Die deutsche Erstveröffentlichung geschah unter dem Titel „Letztes Weekend“ im Jahr 1944, doch ab 1982 wurde der Krimi unter dem Titel „Zehn kleine Negerlein“ veröffentlicht. Während man sich also in den 1980er Jahren überall im englischsprachigen Raum vom Originaltitel verabschiedete, wurde er im deutschsprachigen Raum erst eingeführt. 2003 stieg man dann auch hierzulande auf „Und dann gabs keines mehr“ um.
Sowohl alter als auch neuer Titel verweisen auf einen Abzählreim, der in diesem Krimi eine bedeutende Rolle spielt – in der aktuellen englischen Ausgabe ist allerdings von „Ten little soldiers“ die Rede.


„And then there were none“ gilt als erfolgreichster Krimi aller Zeiten, laut Wikipedia wurden 100 Millionen Exemplare verkauft. Ich würde ihn jedem empfehlen, der noch nichts von der Queen of Crime gelesen hat, aber zumindest einmal in ihr umfangreiches Werk hineinschnuppern will. Hier gibt es keine Miss Marple, keinen Hercule Poirot, keine Anspielungen auf ältere Werke, nur einen meisterhaft konstruierten Fall mit einer glasklaren Ausgangssituation und einer schlüssigen, aber meiner Meinung nach unmöglich zu erratenden Auflösung. Obwohl Agatha Christie „And then there were none“ bereits vor 80 Jahren geschrieben hat, hat die Geschichte nichts von ihrer Spannung eingebüßt. Die Grundidee ist so einfach wie fesselnd: Zehn einander unbekannte Menschen werden unter verschiedenen Vorwänden in eine Luxusvilla auf einer kleinen, einsamen Insel gelockt. Nach dem ersten Abendessen findet die gute Stimmung ein jähes Ende: Eine zuerst nicht zuordbare Stimme verliest zehn Anklagen – jeder der Anwesenden wird mit einem ungesühnten Tötungsdelikt in Verbindung gebracht. Schock und Empörung sind groß, man ist sich schnell einig, die Insel am nächsten Morgen wieder verlassen zu wollen. Doch ein Sturm zieht auf und schon einer der Anwesenden wird nicht mal mehr diesen ersten Abend überleben …

Beim Wiederentdecken des Krimis musste ich an einen anderen denken, den ich vor ein paar Monaten gelesen habe. Die Autorin hat sich eventuell sogar von Agatha Christie inspirieren lassen; sie schilderte ein Klassentreffen in einer abgelegenen Hütte im Wald, bei der gleich mehrere der ehemaligen Klassenkameraden nach und nach ermordet werden. Dieser Krimi hatte mich ziemlich enttäuscht: Er war verworren, überladen und die Auflösung am Ende einfach billig. Der Unterschied zu „And then there were none“ ist wie Tag und Nacht: Agatha Christie geht sehr reduziert vor. Die Anzahl der handelnden Figuren ist überschaubar, über das Leben der einzelnen Protagonisten erfährt man nur so viel wie nötig. Auch der Schauplatz ist schnell beschrieben, selbst der unbekannte Mörder macht seine Absichten relativ deutlich klar. Und dennoch tappt man als Leser komplett im Dunkeln – bis zur Auflösung. Diese ist höchst raffiniert, schlüssig durchdacht und glaubwürdig. Und dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass man von alleine darauf kommen kann – ganz großes Kino! Dessen war sich auch die Autorin bewusst; der englischen E-Book-Ausgabe ist eine Notiz von ihr vorangestellt: „I had written this book because it was so difficult to do that the idea had fascinated me. […] I wrote the book after a tremendous amount of planning, and I was pleased with what I had made of it. It was clear, straightforward, baffling, and yet had a perfectly straightforward explanation […] It was well received and reviewed, but the person who was really pleased with it was myself, for I knew better than any critic how difficult it had been.”

“And then there were none” war Agatha Christies 26. Krimi. Sie schrieb ihn also mit großer Erfahrung und ihre Einschätzung des Textes zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein. Ich kann nur sagen: zu Recht!

Verlag: HarperCollins
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum dieser Ausgabe: 3. März 2003, der Krimi an sich erschien jedoch am 6. November 1939 erstmals.
ISBN: 978-0007136834
Preis: 5,99 € (E-Book: 5,99 €)

6. Juni 2018

Marie Reiners: Frauen, die Bärbel heißen

In meiner letzten Rezension habe ich das Cover des besprochenen Buches sehr hervorgehoben. Dieses dagegen wäre mir in einer Buchhandlung eventuell nicht weiter aufgefallen bzw. hätte mich nicht unbedingt nach dem Roman greifen lassen - zwei sich unterhaltende Raben vor dem Fernseher? Nachdem ich inzwischen so manches über Hauptfigur Bärbel erfahren habe, empfinde ich es allerdings durchaus als passend. Und glaube nicht, dass sich die Raben wirklich noch unterhalten können ...


„Frauen, die Bärbel heißen“ – mit denen hat Drehbuchautorin Marie Reiners schon Erfahrung, ist sie doch Schöpferin der großartigen Krimiserie „Mord mit Aussicht“, in der es ebenfalls eine Bärbel gibt. Diese hat allerdings wenig Ähnlichkeiten mit der Hauptfigur in Reiners erstem Roman: Die 54-jährige Bärbel Böttcher ist eine arbeitslose Tierpräparatorin, die mit ihrer Hündin Frieda sehr zurückgezogen lebt und damit durchaus zufrieden ist. Als sie beim Gassigehen eine Leiche findet, wird ihr Leben jedoch gehörig durcheinandergewirbelt – die Polizei befragt sie, ein Reporter lauert ihr auf und schließlich steht auch noch die Ehefrau des Opfers vor ihrer Tür und greift zu ziemlich rabiaten Methoden, als Bärbel sie abzuwimmeln versucht. Dabei möchte Bärbel doch einfach nur Tartar essen und Shoppingsendungen gucken. Doch wie heißt es schon bei Schiller: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Wobei Bärbels Nachbar nicht das Problem ist – auch wenn er sie im weiteren Verlauf des Buches als „sonderbar“, „psychisch gestört“ und „unheimlich“ beschreibt. Und Eigenbrötlerin Bärbel ganz und gar nicht zu den Frömmsten gezählt werden kann, aber immerhin nach dem Motto „leben und leben lassen“ zu handeln versucht – vor allem aus Eigeninteresse, sie will schließlich einfach nur ihre Ruhe.

Als Dermoplastikern hat Hauptfigur Bärbel – wie auch ihre Hündin Frieda – keine Scheu vor Körperflüssigkeiten jeglicher Art und ist auch wenig zimperlich. Die Ich-Erzählerin hat mich immer wieder überrascht – positiv, den kompletten Roman hindurch jagt ein unvorhersehbares Ereignis das nächste, und zwar auf herrlich schräge Art und Weise. „Frauen, die Bärbel heißen“ ist ein bisschen Krimi, ein bisschen Charakterstudie und vor allem skurril. Trotzdem ist es Reiners gelungen, ihre Romanhandlung irgendwie gar nicht so abwegig erscheinen zu lassen. Ein paar schöne Seitenhiebe gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen, mit dem die Autorin langjährige Erfahrungen hat, gibt’s obendrauf. Ich habe mich bei der Lektüre fortlaufend amüsiert und Bärbel am Ende nur ungern ziehen lassen. Allerdings hoffe ich auf eine Fortsetzung, denn die Geschichte scheint mir noch lange nicht auserzählt – eigentlich fängt sie gerade erst so richtig an. „Frauen, die Bärbel heißen“ sind offensichtlich immer für Überraschungen gut!

Verlag: FISCHER Scherz
Seitenzahl: 368
Erscheinungsdatum: 8. März 2018
ISBN: 978-3651025233
Preis: 16,99 € (E-Book: 14,99 €)

8. April 2018

Anthony Horowitz: Die Morde von Pye Hall

Mein letzter Blogbeitrag enthielt eine kleine Hommage an Agatha Christie, nachdem ich gerade mal wieder einen ihrer Krimis gelesen hatte. Gänzlich unerwartet passte ein Buch, das ich nur eine Woche später las, perfekt dazu. Selbst Agatha Christies Enkel hat einen kleinen Auftritt - zumindest in einer der beiden ineinander verschaltelten Geschichten, die sich zwischen diesen beiden Buchdeckeln verbergen ...


„Die Morde von Pye Hall“ haben mich gleich auf den ersten Seiten verblüfft. Ich-Erzählerin Susan Ryeland, Cheflektorin eines kleinen Londoner Buchverlags, beschreibt, wie sie es sich in ihrer schnuckeligen Eigentumswohnung für ein Lesewochenende gemütlich macht. Ihr Bestsellerautor Alan Conway hat gerade den achten Band seiner äußerst erfolgreichen Krimireihe abgegeben, sie freut sich auf die Lektüre. Und dann geht es quasi auch schon los – mit besagtem Manuskript. Irgendwie nahm ich an, Protagonistin Ryeland würde hineinlesen und dann schnell durch irgendein Ereignis bei ihrer Lektüre gestört werden, was mich als Leserin dann wieder in ihre Erzählgegenwart zurückkatapultiert hätte – aber weit gefehlt. Stattdessen bin ich selbst in Alan Conways neuen Krimi „Morde von Pye Hall“ versunken – über 300 Seiten lang ohne Unterbrechung!

Das Buch „Morde von Pye Hall“ im Buch „DIE Morde von Pye Hall“ (verwirrend, ich weiß) ist ein Cosy Crime um einen Hercule Poirot-ähnlichen Ermittler namens Atticus Pünd. Es spielt im Jahr 1955 und ist ein typischer Whodunnit. Vom Stil her erinnert „Morde von Pye Hall“ an Agatha Christie. Nachdem ich gerade noch das Leben einer Verlagslektorin im Jahr 2015 gedanklich begleitet hatte, brauchte ich ein paar Seiten, um in das stilistisch doch anders geartete Cosy Crime einzutauchen. Doch das machte zunehmend Spaß, bis es etwas abrupt endete und ich mich wieder im Leben von Susan Ryeland wiederfand. Diese wird wie der Leser aus ihrer Lektüre gerissen – das Manuskript ist nämlich unvollständig, die letzten Kapitel fehlen. Ein Missgeschick, denkt die Protagonistin, doch dann hört sie im Radio, dass ihr Bestsellerautor unerwartet verstorben ist. Sie begibt sich auf die Suche nach dem verschollenen Buchende, entdeckt jedoch nach und nach noch etwas ganz anderes …

„Die Morde von Pye Hall“ haben mir gleich doppeltes Lesevergnügen bereitet – kein Wunder, enthält das Buch doch zwei unterschiedlich geartete Krimis in einem. Durch die Buch-im-Buch-Thematik gibt es außerdem noch ein paar nette Einblicke in die Buchbranche. Insgesamt fand ich den einen Krimi von der Auflösung her gelungener als den anderen, aber das ist Kritik auf hohem Niveau – beide Geschichten sind spannend, verwickelt und zum Miträtseln. Dass der Autor Anthony Horowitz in einem Buch zwei komplett verschiedene Geschichten miteinander verquickt, die sich auch stilistisch unterscheiden, aber beide gleichermaßen glaubwürdig und intensiv erzählt sind, fand ich sehr raffiniert. Ein kunstvoll geschriebenes Buch – Experiment geglückt, Leser gefesselt! Auch das schick gestaltete Cover möchte ich noch erwähnen – optisch heben sich „Die Morde von Pye Hall“ ebenfalls von der Masse ab. Klare Empfehlung für alle Liebhaber klassischer Krimis und raffiniert verschachtelter Erzählungen!

Verlag: Insel
Seitenzahl: 605
Erscheinungsdatum: 11. März 2018
ISBN: 978-3458177388
Preis: 24,00 € (E-Book: 19,99 €)

2. April 2018

Agatha Christie: The ABC Murders

Ich mag Cosy Crimes, klassische Whodunnits. Und ab und an lese ich gerne einen Krimi von der Großmeisterin der Whodunnits: Agatha Christie. Früher mochte ich ihre Miss Marple weitaus lieber als Hercule Poirot, aber inzwischen habe ich mich auch mit ihm angefreundet. Die meisten Romane über ihren belgischen Ermittler schrieb Agatha Christie in den 1930ern - sie sind also schon ordentlich in die Jahre gekommen, was man an der Sprache auch durchaus merkt. Doch ansonsten gilt: Mord verjährt nicht ... und Raffinesse auch nicht!


„The ABC Murders“ wurden bereits vor 82 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht, als einer von den 33 Krimis, in denen Agatha Christie ihren Hercule Poirot ermitteln lässt – hier zusammen mit seinem Freund Captain Hastings, der die Rolle eines Sidekicks einnimmt und so ahnungslos ist wie der Leser. Bzw. ist der Leser so ahnungslos wie er – Captain Hastings fungiert nämlich auch als Erzähler. In einem Vorwort kündigt er an, auch einige Szenen zu schildern, bei denen er nicht präsent war, die er aber im Nachhinein glaubt, wahrheitsgetreu aufschreiben zu können. Diese Szenen machen einen besonderen Reiz des Buches aus: Durch sie weiß der Leser mehr, als Captain Hastings während des jeweiligen Standes der Ermittlungen wissen konnte. Doch Christie wäre nicht Christie, wenn sie ihren Lesern nicht trotz deren Wissensvorsprüngen stets eine ordentliche Nasenlänge voraus wäre.
„The ABC Murders“ beginnen vielversprechend: Poirot erhält einen Brief, in dem er von einem Unbekannten herausgefordert wird. Dieser nennt sich ABC und kündigt einen Mord an – mit Datums- und Ortsangabe. Poirot ist beunruhigt, während die Polizei das Schreiben nicht ernst nimmt. Dann geschieht jedoch tatsächlich ein Mord in der Ortschaft Andover, am angekündigten Tag. Und bald erhält Poirot den nächsten Brief von ABC …

Christie scheint sich hier auf ungewohntem Terrain zu bewegen: Mit ABC hat sie einen Serienmörder erschaffen, der sich vor Poirot brüsten will. Doch reicht das als Motiv für mehrere kaltblütige Morde? Poirot selbst steht vor einem Rätsel. Der Mörder scheint ungehindert agieren zu können, ohne dass der belgische Detektiv mit dem stolzen Schnurrbart irgendeine Chance hat, einzugreifen. Doch dann, im furiosen Finale, holt er wie gewohnt aus. Und Christie lässt ihre Leser mal wieder ungläubig-fasziniert zurück.
 „The ABC Murders“ sind ein gelungenes Beispiel dafür, dass gute Krimis nicht aus der Mode kommen. Inhaltlich kann der Fall mühelos mit heutigen Cosy Crimes mithalten (wobei ein Serienmörder vielleicht nicht ganz so cosy ist, wie man es sonst von Christie gewohnt sein mag). Einzig die Sprache wirkt etwas altmodisch und ich stieß im Englischen auf mehr unbekannte Vokabeln als bei zeitgenössischen Krimis. Doch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Agatha Christie ist und bleibt die Queen of Crime, die ihre Leser auch im 21. Jahrhundert noch mühelos verblüfft.

Verlag: HarperCollins
Seitenzahl: 331
Erscheinungsdatum dieser Ausgabe: 26. September 2013, der Krimi an sich erschien jedoch am 6. Januar 1936 erstmals.
ISBN: 978-0007527533
Preis: 6,99 € (E-Book: 5,99 €)