23. Juni 2026

Caroline Seibt: Weil sie lügt

Bester Thriller seit Langem

Dieser außergewöhnliche Thriller ist tatsächlich der beste, den ich seit langer Zeit gelesen habe. Ein unvorhersehbarer Twist folgt auf den nächsten. Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt: Die der verzweifelten Anna, deren große Schwester Juli vor eineinhalb Jahren mit Anfang 20 spurlos verschwunden ist, und die der Ermittlerin Katharina, die die Leitung des Falls erst kürzlich übernommen hat. Katharina würde gerne Annas Vertrauen gewinnen, doch Anna misstraut den Ermittlern spätestens, seit diese ihren eigenen Vater wegen Mordverdachts festgenommen haben. Dass sie außerdem manches zu verbergen versucht, merken die Leser*innen ziemlich bald. Doch sie scheint nicht die Einzige zu sein, die Ungereimtheiten nehmen zu und mich haben die Ereignisse irgendwann in ständige Alarmbereitschaft versetzt.

Autorin Caroline Seibt hat ein äußerst geschicktes Konstrukt aufgebaut. Sie erklärt in diesem feingliedrigen Thriller nicht alles bis ins letzte Detail, doch die Details, die sie in den Fokus rückt, wirken am Ende stimmig. Dass ein Rest der Fantasie überlassen wird, hat mich nicht gestört, im Gegenteil, ich fand das gut gelöst (nachdem ich mich von dem schockierenden Ende erholt hatte). „Weil sie lügt“ überzeugt zum einen durch die pausenlosen Wendungen, zum anderen durch die untypischen Charaktere und Szenen. Hier passiert nur wenig Erwartbares; Seibt umschifft elegant vieles, was ich als geübte Thriller-Leserin vorauszusehen glaubte. Klare Empfehlung!


Verlag: Droemer
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 1. Juni 2026
ISBN: 978-3426567005
Preis: 16,99 € (E-Book: 12,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

4. Juni 2026

Matt Haig: Die Mitternachtsreise

Die Reise seines Lebens

Nachdem ich „Die Mitternachtsbibliothek“ großartig fand, war ich sehr gespannt auf Matt Haigs neuestes Buch, das sich optisch und thematisch an diesen Bestseller anlehnt: „Die Mitternachtsreise“. Auf sie begibt sich Wilbur, als alter Mann frisch verstorben und auf dem Weg in die Ewigkeit. Er reist per Zug, der an verschiedenen Stationen seines Lebens hält und ihn einige Momente erneut als Zuschauer erleben lässt. Begleitet wird er während der Fahrt von Agnes Bagdale, einer längst verstorbenen Buchhändlerin, die ihm die drei Regeln für diese Fahrt ins Jenseits einschärft: sein früheres Ich nicht ansprechen, keinesfalls zugegen sein, wenn es einschläft und den Zugsignalen folgend aus- und in jedem Fall auch pünktlich wieder einsteigen. Und so erlebt Wilbur die Höhen und Tiefen seines Lebens noch einmal und wird von den Leserinnen und Lesern begleitet – gewissermaßen von der Wiege bis zur Bahre. Mir ist er dabei ans Herz gewachsen, mit seinen Fehlern, Schwächen und der Sehnsucht danach, alte Fehler korrigieren zu können. Und Matt Haig wäre nicht Matt Haig, wenn die Erfüllung dieses Wunsches völlig aussichtslos wäre …

„Die Mitternachtsreise“ hat mich begeistert. Ein stimmiger und stimmungsvoller Roman, ein fantasievolles Gedankenexperiment voller Herz, leiser Zwischentöne und kluger Gedanken. Das Buch lädt unaufdringlich zum Sinnieren, Träumen und Reflektieren ein. Nachdem ich mit „Die Unmöglichkeit des Lebens“ vom gleichen Autor nicht so viel anfangen konnte, hat mich dieser neueste Roman wieder voll abgeholt.


Verlag: Droemer
Seitenzahl: 336
Erscheinungsdatum: 21. Mai 2026
ISBN: 978-3426562499
Preis: 24,- € (E-Book: 19,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.