26. Mai 2026

Marceau Miller: Das letzte Buch von Marceau Miller

Die Berserkerin

Ein unter dem Pseudonym Marceau Miller geschriebener Roman, der gleichzeitig „Das letzte Buch von Marceau Miller“ heißt (und es definitiv auch ist, denn Protagonist Marceau Miller stürzt bereits im Prolog in den Tod): Schon diese Ausgangskonstellation hat mich neugierig gemacht. Wer ist Marceau Miller?


Welcher, nach eigenen Angaben, „Schriftsteller und Drehbuchautor“ das Pseudonym benutzt, weiß ich auch nach der Lektüre nicht. Was zu Marceau Millers Tod geführt hat, wird gegen Ende des Romans aber schließlich enthüllt – in einem furiosen Finale, nachdem die Frau des Bestsellerautors wie eine Berserkerin durch die Kapitel gewütet ist. Sarah Miller ist die eigentliche Hauptfigur, eine Frau voller Schmerz, Wut und Unverständnis (Marceau ist während einer Free-Solo-Tour abgestürzt, obwohl er versprochen hatte, nicht mehr ungesichert zu klettern). Zu Beginn des Buches fühlte sich ihr Fühlen und Denken für mich irgendwie unstimmig an, doch das legte sich. Nachdem Marceaus Tod feststeht, ist Sarahs Welt komplett aus den Fugen und sie versucht, ohne Rücksicht auf Verluste, die Geheimnisse ihres verstorbenen Mannes aufzudecken. Und ohne Rücksicht auf ihre 10- und 12-jährigen Kinder, die nur eine Nebenrolle spielen. Für ihr Umfeld ist das äußerst anstrengend und für mich als Leserin war es mitunter auch strapaziös, wie Sarah sich immer wieder in Gefahrensituationen stürzt, ohne nachzudenken, vor Gesprächen davonläuft und das meiste mit sich selbst ausmacht. Sarah wütet und rast durch die beschauliche Landschaft rund um den Genfersee und ich war ganz froh, dass es ab und zu etwas Entspannung durch eine andere Perspektive und Kapitel des letzten Romans von Marceau Miller gab. Dass die Auflösung des Buches mich dann so überzeugt, hatte ich nicht mehr erwartet – sie wirkt nicht weit hergeholt, doch ich wäre nie im Leben von alleine darauf gekommen. Deswegen doch vier Sterne für Marceau Miller.


Verlag: Insel
Seitenzahl: 349
Erscheinungsdatum: 21. April 2026
ISBN: 978-3458645894
Preis: 25,- € (E-Book: 21,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

13. Mai 2026

Rosie Walsh: Du musst mich vergessen

Wechselbad der Gefühle

Zuerst dachte ich: was ein schmalziger Titel. Dann las ich online die Leseprobe, war angenehm überrascht, dass der Inhalt so gar nicht kitschig wirkt und wollte sehr gerne wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Als ich das Buch dann in den Händen hielt, überlegte ich leicht entsetzt, ob ich mich damit wirklich der Familie an den Osterfeiertagen zeigen will – das Cover mit Wellen, Blumen, Schnörkelschrift und rosa Autorennamen ist so gar nicht meins. Aber die Handlung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen und je mehr ich las, desto überzeugter war ich von dem Roman – don’t judge a book by its cover! Meine Begeisterung hielt bis zu den letzten 60 Seiten an, die mich dann ziemlich enttäuschten. Dass die Autorin an diese spannende Story so ein schwarzweißes Ende dranklatschen würde, hatte ich nicht erwartet.

Zum Inhalt: Carrie, vormals ambitionierte Chirurgin, plant nach sechs Jahren als Familienmanagerin ihren beruflichen Wiedereinstieg. Ein Besuch bei ihrer früheren Mentorin in Stockholm soll die Weichen dafür stellen, doch bei der Planung dieser Reise stößt Carrie völlig unerwartet auf einen Menschen, den sie zuletzt in einem thailändischen Gefängnis gesehen hat: Johan, ihre erste große Liebe, der 12 Jahre zuvor am Abend ihrer spontanen Hochzeit am Strand von Koh Samui festgenommen wurde. Inzwischen ist Carrie glücklich mit Robin verheiratet und Mutter von Zwillingen, doch dass Johan wider Erwarten auf freiem Fuß ist, wühlt alles wieder auf – vor allem die vielen Fragen, auf die sie nie eine Antwort bekommen hat. „Du musst mich vergessen“ (ein Satz, der im Buch kein einziges Mal fällt) erzählt in Rückblenden und Romangegenwart von Carries Beziehungen, Familie und Karriere. Autorin Rosie Walsh schreibt äußerst fesselnd und nachvollziehbar, stellt das Gefühlsleben ihrer Protagonistin wunderbar einfühlsam dar und schafft erstaunliche Wendungen. Dass mich das Ende enttäuschen würde, hatte ich absolut nicht erwartet, nachdem ich große Teile des Romans regelrecht verschlungen habe. Ich gebe gerade noch so vier Sterne. 


Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 496
Erscheinungsdatum: 22. April 2026
ISBN: 978-3442497065
Preis: 16,- € (E-Book: 14,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.

6. Mai 2026

Sarah Goodwin: Der Fjord

Fesselnd mit kleinen Schwächen

Autorin Sarah Goodwin ist Spezialistin für Einzelkämpferinnen. Auch Amelia, die Hauptfigur in ihrem neuesten Thriller „Der Fjord“ ist eine, getrieben von einem einzigen Wunsch: Sie will ihre mutmaßlich in Norwegen verschollene Schwester wiederfinden. Deren Spur hat sich auf einer exklusiven Party der superreichen Familie Fowley verloren. Amelia setzt alles daran, ihr Ziel zu erreichen: die jährlich stattfindende Party ebenfalls zu besuchen. Doch die Recherche vor Ort gestaltet sich alles andere als einfach …

Als Leser*in kennt man Amelias Beweggründe von Anfang an und kann gemeinsam mit ihr rätseln, was wohl im Vorjahr passiert ist und was hinter den Kulissen geschieht. Denn unter der Oberfläche scheint es zu brodeln; der Gastgeber lässt sich kaum sehen, riegelt sein Haus hermetisch ab und Alkohol und Drogen gibt es im Überfluss. Was da eigentlich vor sich geht, wird immer undurchsichtiger und liest sich durchaus fesselnd.  Im letzten Drittel häufen sich die Twists, die leider nicht alle komplett glaubwürdig sind. Bei der ein oder anderen Charakterentwicklung hat es sich die Autorin nach meinem Geschmack etwas einfach gemacht – man sieht sie nicht kommen, aber nicht, weil das Ganze so raffiniert eingefädelt wurde, sondern weil es keinen einzigen Hinweis in die jeweilige Richtung gab. Die Auflösung hat mich nicht komplett überzeugt. Packende Spannungslektüre ist „Der Fjord“ trotzdem – mit einem etwas unpassenden Titel, denn der namensgebende Fjord spielt nur eine kleine Nebenrolle. „Die Party“ hätte es eher getroffen.


Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 27. April 2026
ISBN: 978-3404196647
Preis: 13,99 € (E-Book: 4,99 €)

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.